Workplace Shell ist zusammen mit dem Presentation Manager (PM) eine objektorientierte sehr flexible und erweiterungsfähige
grafische Benutzeroberfläche (GUI) von
OS/2 und dessen Nachfolger
eComStation.
Das (zum Zeitpunkt der Einführung) revolutionäre Konzept und die Vielfalt der
Möglichkeiten wurde von vielen Neuanwendern jedoch als zu kompliziert empfunden.
Eine Reihe von Konzepten und Funktionen der WPS wurde erst in den letzten Jahren
in grafische Benutzerschnittstellen anderer Betriebssysteme übernommen,
wie zum Beispiel KDE und GNOME für
Linux. Die grafische Benutzeroberfläche von
Microsoft
Windows ist auch mit der Einführung von Windows Vista noch weit von der
vollen Objektorientierung der WPS entfernt.
Die Objektorientierung von WPS erlaubte die Teilkomponenten des Systems (die als
Objekte definiert sind) über
Kontextmenüs und Drag-and-Drop-Vorgänge bedienen.
Auch z. B. die Verweise auf Programme sind so mit den originalen
Objekten
verbunden, dass das Löschen des Originals auch die Verknüpfungen löscht. Bei
Windows verursacht diese Aktion, dass die "Verknüpfungs-Leichen" entstehen und
das zusätzliche Aufräumarbeiten und Aufräumprogramme notwendig sind.
Anders als bei
Windows sind nicht Daten den Anwendungen sondern Anwendungen den
Daten zugeordnet (dokumentorientierter Arbeitsansatz). Anwendungen sind vom
Dokument aus mit diesem gestartet. Zum Anlegen neuer Dokumente können so genannte Schablonen
(Templates) - wahlweise mit einem vorgefertigtem Inhalt - verwendet werden.
Gleiche Typen von Dokumenten können jeweils mit mehreren Anwendungen verknüpft
werden, so dass ausgewählt werden kann, mit welcher Anwendung das Dokument
geöffnet werden soll.
WPS wurde mit Hilfe des System Object Model (SOM) implementiert. Sie setzt sich
aus einem hierarchischen Baum von WPS-Klassen zusammen, die jeweils Eigenschaften
und Manipulationsmöglichkeiten der einzelnen Objekttypen implementieren.
Das Konzept der Vererbung der Klassen ermöglicht es, ohne Kenntnis des WPS-Quellcodes
neue
Komponenten und Anwendungen hinzuzufügen und bestehende zu erweitern,
zu verändern oder auch vollständig zu ersetzen.
Die Baumstruktur der Objekte macht auch das Finden von Anwendungen, System-Diensten
und -Funktionen sehr einfach. Die als Windows-Tipp immer wieder kehrende Frage
"Wo finde ich ...?" ist unter WPS überhaupt nicht bekannt.